Wissensecke

Was ist ein Schuh im Allgemeinen?

Der Begriff Schuh entstammt dem althochdeutschem (Jahr 750-1050) Begriff scuoh, welches wohl von skeu „bedecken, umhüllen“ aus der indogermanischen Ursprache kommt.

Ein Schuh dient hauptsächlich dem Schutz der Füße. Er ist ein Bekleidungsstück bestehend aus den zwei Hauptteilen Schaft und Boden/Sohle (meist Leder, Gummi oder Kunststoff).

Der Schaft wird unterteilt in Futter (Innenschaft), Zwischenfutter (Zwischenschaft) und Oberleder (Außenschaft). Die verschiedenen Bestandteile sind miteinander verklebt oder vernäht. Das Oberleder besteht zum Teil aus verschiedenen Besätzen wie der aufgesetzten Hinterkappe um den Fersenbereich zur weitergehenden Stabilisierung und Führung des Fußes. Hinzukommen das Vorderblatt mit der Zunge (Lasche) und die seitlichen Quartiere im hinteren Teil.

Die Sohle kann aus mehreren Sohlen bestehen. Im Normalfall besteht sie aus Brandsohle (Innensohle) und einer Laufsohle. Teilweise liegt dazwischen noch eine Zwischensohle (Beispiel Sportschuh). Die Innensohle kann auch noch zusätzlich durch eine Deck(brand)sohle oder durch eine herausnehmbare Einlegesohle abgedeckt sein.

Im Fersenbereich ist der Schuhboden häufig durch einen Absatz erhöht. Ist dies nicht der Fall, wird er Nullboden genannt.

Welche Funktion hat ein Schuh?

Schuhe entstanden und dienen auch heute noch hauptsächlich als Schutz gegen äußere Widrigkeiten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist heutzutage die Modefunktion der Schuhe. Neben allgemeinen zeitlichen Trends, sind verschiedene Schuhformen für verschiedene Anlässe entstanden. Dies hat sich aber erst über die Jahrhunderte entwickelt.

Die Verknüpfung von Schuhen mit dem gesellschaftlichen Status und der Gruppenzugehörigkeit des Trägers ist dagegen schon früher entstanden.
Schon im alten Ägypten war es nur den Pharaonen, hohen Beamten und Priestern vorbehalten, Sandalen zu tragen. Diese unterschieden sich dann noch in der Machart und dem Material. Das Volk ging barfuß.

Bei den alten Griechen wurde ca. 700 v. Chr. per Verordnung festgelegt, wer wie Juwelen auf Sandalen verwenden durfte. Auch im Römischen Reich war klar geregelt, wer welches Schuhwerk tragen durfte und wie es verziert sein durfte. Die Länge der Schnabelschuhspitze im Mittelalter sagte etwas über die Standeszugehörigkeit aus. Rote Absätze waren zu Zeiten des Sonnenkönigs nur dem König und hohen Adeligen gestattet.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die Anhänger der Friedensbewegung und Pro Naturbewegung Sandalen. Hochwertige, gut gepflegte Herrenschuhe aus feinem Kalbsleder gehören zu gehobener Businesskleidung und weisen auf den Status hin.

Das Anzeigen der Gruppenzugehörigkeit betrifft vor allem verschiedene Jugendkulturen (z.B. Doc Martens oder Marken Sneakers)

Wie ist der Schuh entstanden?

Einen Urschuh an sich gibt es nicht. Anfangs (Neandertaler) wurden Tierfelle als Kälteschutz um die Füße und Waden gewickelt. Daraus entstand später der Stiefel. Andere legten sich Felle als Fußsack um die Füße. Dies ist der Ursprung des Mokassins. In heißen Regionen schützte man sich durch unter die Füße gebundene Palmblätter vor dem heißen Boden. Daraus entstand später die Sandale.

Nur anhand der entsprechenden Werkzeuge und der Untersuchungen von altsteinzeitlichen Fuß- und Beinskeletten konnte erschlossen werden, wann das Zuschneiden und Verschnüren von Schuhen begonnen hat. Hinweisen zufolge kannte der moderne Mensch (Homo sapiens) bei seinem ersten Auftreten im nördlichen Eurasien bereits Schuhe. Die ältesten Belege sind ca. 40.000 Jahre alt.

Die ältesten direkten Schuhfunde stammen aus Nordamerika. Schon 8300 v. Chr. trugen dort die Paläoindianer Bastfasersandalen. Die ältesten Lederschuhreste aus 4300 v. Chr. sind in den Berner Alpen gefunden worden. Ein vollständig erhaltener Lederschuh aus 3630-3380 v. Chr. aus einem einzigen Stück Rindleder und Ausstopfung aus trockenem Gras (Poaceae) wurde 2008 in Armenien entdeckt.

Auch die 5300 Jahre alte Gletschermumie „Ötzi“ (Kupfersteinzeit) besaß Schuhe. Diese waren bereits funktional optimierend aufgebaut. Eine Art Schnürsenkel verschloss den Schuh. Der Schaft war aus Rindleder, die Haarseite zeigte zur Nässeabwehr nach außen. Die Sohle aus isolierendem Bärenfell hatte die Haarseite innen. Zusätzlich waren an der Unterseite der Sohle ein quer laufender und sich überkreuzender Lederstreifen angebracht und dienten somit als Profilsohle. Ein Lederband war durch Vorstichtechnik umlaufend eingezogen und hielt somit Schaftleder und Sohle zusammen. Gedrillte und verzwirnte Grasschnüre bildeten den Innenschuh, der durch den umlaufenden Lederriemen fest mit der Sohle verbunden war. Zwischen Schaftleder und Innenschuhgeflecht wurde Heu als Polster und Isolierschicht gestopft.

Funde von Moorleichen haben Schuhe der Bronze- und Eisenzeit zum Vorschein gebracht.
Die Kelten benutzen Opanken (meist absatzloser Schuh mit hochgebogener Sohle mit einer häufig schnabelförmig aufgebogenen Spitze mit angeflochtenem Schaft), ab 500 v.Chr. wurde der Bundschuh benutzt. Aus dem römischen Reich und den germanischen Stämmen der Provinzialrömischen Zeit sind eine Reihe von Schuharten überliefert.

In der Antike wurden einfache Schuhe zum Allgemeingut. Hinweise dazu geben eine Vielzahl an Wand- und Tonmalereien. Es gab unterschiedliche Schuhmodelle –je nach Region –wie z.B. die ägyptischen Zehenstegsandalen oder die römischen Sandalen. Geschlossene Schuhe und Pantoffeln sind vor allem im byzantinischen Machtbereich ab Ende des 4. Jahrhunderts aufgetaucht.

Schuhe als Allgemeingut

In den städtischen Siedlungen des nördlichen und mittleren Europas wurden im Mittelalter (800 bis ca. 1500 n.Chr.) hauptsächlich Lederschuhe wendegenähter Machart getragen. Diese waren zunächst auf links genähte und dann auf rechts gewendete Schuhe und zeigten vor allem im Hochmittelalter modische Einflüsse. Die Modelle (Schafthöhen und –schnitte) dieser Schuhe wurden Anfang des 12. Jahrhundert vielfältig. Es gab Schnür-, Knöpf-, Schlupf- und Riemenschuhe. Ab dem 13. Jahrhundert gab es dann auch Stiefel.

Konisch zulaufende Schuhspitzen und spitze Fersen dominierten im 11. und 12. Jahrhundert. Die 150 Jahre danach dominierten eher runde Formen. Anschließend wurden im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts richtig extravagante spitze Formen getragen.

Nach den Kreuzzügen waren Schnabelschuhe das feine Schuhwerk der Oberschicht. Die Standeszugehörigkeit wurde durch die Spitzenlänge gekennzeichnet und war streng reglementiert. Besonders ausgeprägt war diese Mode im 14. Jahrhundert.

Zusätzlicher Kälte-, Schmutz- und Abriebschutz bot der Trippen (hölzerner Unterschuh), der gleichzeitig als Statussymbol diente.

Unmodische Arbeitsschuhe

Parallel zu den Modeerscheinungen gab es auch immer breite Schuhe. Diese dienten wahrscheinlich der Arbeit und wurden erst ab dem 16. Jahrhundert modern. Es dominierten rahmengenähte Schuhe mit betont breiter und kurzer Spitze (Horn-, Entenschnabel-, Kuhmaul- und Bärenklauenschuhe).

Die ärmere und ländliche Bevölkerung des Mittelalters trug wahrscheinlich einfache, unmodische Arbeitsschuhe. Neben einfach wendgenähten Exemplaren gab es wohl häufig Bundschuhe. Diese bestanden aus einem harten und rauen Stück Leder, welches bis über die Knöchel ragte, um den Fuß gewickelt und an der Spitze zusammengebunden wurde. Diese Schuhart wurde ab 1493 als Synonym für Unterdrückung und Armut auf den Fahnen der aufständischen Bauern gezeigt.

Lederschuhe wurden zahlreich gut erhalten gefunden, Holzschuhe und Trippen dagegen sind nur vereinzelt gefunden worden. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde hauptsächlich Ziegen- bzw. Schafsleder und im 13. Und 14. Jahrhundert Rindleder für den Schaft benutzt. Stiefel bestanden hauptsächlich aus festem Rindleder, welches auch immer für die Sohlen benutzt wurde. Innensohlen tauchten im 12. Jahrhundert auf.

Die Entstehung des Absatzes

Wie der Absatz genau entstand ist unklar. Eine Theorie besagt, dass durch Absätze vielleicht  das Reiten mit Steigbügeln vereinfacht wurde. Eine andere besagt, dass diese weitergehend vor dem Schmutz der Straße schützen sollten, der besonders durch die Kanalisation des Mittelalters vorhanden war.

Die ersten (Über-)Schuhe mit sehr hohen Sohlen entstanden im 13. Jahrhundert (Trippen, im 17. Jahrhundert Patten). Oft hatten diese Holzsandalen einen Lederriemen über dem Spann. Korkeinsätze oder Aussparungen in der Mitte der hölzernen Plateausohlen sorgten für eine Gewichtsreduzierung. Die Holzsohle bestieg man mit den dünnsohligen Lederschuhen, wenn man das Haus verließ und zog sie wieder aus, wenn man dieses betrat.

Von Spanien aus verbreiteten sich im 16. Jahrhundert vor allem nach England, Frankreich und Italien Damenschuhe mit plateauartigen Sohlen (Zoccoli). Um die Jahrhundertmitte erreichte diese Mode durch bis zu 40 cm hohen Sockelschuhen (Chopinen), die Dienerinnen oder Stöcke zum Abstützen nötig machten, einen extremen Höhepunkt.

Zuvor waren alle Schuhe absatzlos. In Europa setzen sich Absätze im 17. Jahrhundert durch. Die Männer wirkten auf diese Weise größer und kriegerischer und die Frauen erhielten einen erotischeren Gang. Die Absatzhöhe variierte im Laufe der Zeit. Früher waren die höheren Absätze eher den Herren, später eher den Damen vorbehalten.

Von neuen Herstellungstechniken zum Schuhwelthandel

Die pflanzlich gegerbten Oberleder wurden im 20. Jahrhundert durch Gerbverfahren mit Chromsalzen ergänzt und erweiterten die Gestaltungsmöglichkeiten.

Das Oberleder war dünner und ließ sich vielfältiger färben. Passend dazu wurden die bis heute üblichen Schuhcremes in Blechdosen entwickelt.

1910 wurde das Klebeverfahren mit Zelluloidkitt entwickelt und schuf die Grundlage für die Massenschuhproduktion. In den 1920er und 1930er Jahren wurde der Halbschuh eingeführt und die Modefunktion rückte vor allem bei Frauen und jungen Menschen mehr in den Vordergrund. Es entstand ein Schuhwelthandel, der durch die Unternehmen Bata und Bally stark geprägt worden ist. Diese nutzten amerikanische Maschinen zur Schuhherstellung.

In Deutschland setzten sich erstmals von deutschen Schuhfabrikanten hergestellte Schuhe durch die Autarkiepolitik des Nationalsozialismus durch. Daneben wurde von der Importware Leder auf die neuen vollsynthetischen Kunststoffe gewechselt. Es trat eine Verwissenschaftlichung der Schuhproduktion ein. Dies wurde z.B. durch staatliche Forschungsförderung und militärische Erprobung ausgedrückt. Im Nationalsozialismus hatte die Schuhversorgung des Militärs Priorität, danach kamen die männlichen Zivilisten, dann die Frauen und Kinder. Alle, die außerhalb der „Volksgemeinschaft“, wie das besetzte Europa, standen, litten unter extremen Mangel und schlechter Qualität.

Mitte des Jahrhunderts wurden dann neue thermoplastische Gummis und Kunststoffe entwickelt. Dies führte die Anvulkanisierung (chemisches Verfahren bei dem Kautschuk widerstandsfähig gemacht wird) und das Anspritzen der Sohlen an den Schaft ein. Diese und andere kostensenkende Herstellungsmöglichkeiten, wie die Verwendung von Kunstfasergewebe und die Massenproduktion in Niedriglohnländern, verbilligten die Schuhe nach und nach. Dadurch konnten sich immer mehr Konsumenten häufiger neue Schuhe leisten und die Schuhmode wurde schnelllebiger. Besonders Damenschuhe sind stark von der wechselnden und zum Teil auch wiederkehrenden Mode geprägt. Ein gutes Paar Schuhe mit hochwertig verarbeiteten Materialien und perfekter Passform leistet einen wichtigen Beitrag für gesunde Füße und bleibt bei guter Pflege seinem Träger für längere Zeit erhalten.

Schuhvielfalt und Damenschuhmode

Es entstanden nach und nach mehr Modelle und Schuhvarianten. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts trugen Frauen Sandalen und Escarpins (absatzlose Pumps aus Satin mit Knöchelbändern). Danach trugen sie absatzlose Stiefeletten und ab ca. 1840/50 Stiefeletten mit Absatz, häufig mit Seitenverschluss oder auch Gummibandeinsatz und einem Seidenschaft. Ab 1870 wurden die bisher bodenlangen Röcke kürzer. Somit wurde die weibliche Schuhmode auch erstmals richtig thematisiert. Ab 1860 wurden die Schuhe vermehrt in Fabriken gefertigt. Somit wurden Schuhe günstiger und für die breite Masse erschwinglich.

Rechts-links Unterscheidung der Schuhe

Die spiegelsymmetrische Form der beiden Schuhe eines Schuhpaares war lange Zeit unüblich. In der Antike und im Mittelalter war dies noch selbstverständlich, ging im Laufe des 17. Jahrhunderts aber verloren. Die Schuhe ohne rechts-links Unterscheidung sorgten für Fußschäden, die erstmals 1796 vom holländischen Arzt Peter Camper aufgedeckt worden sind. Aber erst die Streitschrift eines deutschen Medizinprofessors ca. 60 Jahre später brachte die rechts-links Unterscheidung wieder zurück.